Galerie Boisserée

Aktuelle Ausstellungen

"Ich habe Graphik nie verstanden im Sinne einer Reproduktion. Das hat mich nie interessiert, ich habe sie nur verstanden als Verdeutlichung einer in Gemälden oder Zeichnungen erarbeiteten Form durch eine zusätzliche Analyse, eine Analyse, die verbunden ist mit der Technik der Graphik."
Georg Baselitz


Anlässlich der "DüSSELDORF COLOGNE OPEN GALLERIES 2019"
(06.–08.09.2019)


06.09.–26.10.2019

GEORG BASELITZ

(geb. 1938 in Deutschbaselitz)

"Veteran"

Arbeiten auf Papier


Georg Baselitz, "32 Punkte"

Georg Baselitz

(geb. 1938 in Deutschbaselitz)

"32 Punkte"

Farbholzschnitt 1991/92

225,3 x 199,5 cm, Abb. 175,4 x 162,5 cm

sign. dat. bez.

Auflage ca. 20 Exemplare

[24668]

Zur Eröffnung am Freitag, den 6. September 2019 in der Zeit zwischen 18.00 und 22.00 Uhr
laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.


Bitte beachten Sie unsere besonderen Öffnungszeiten zu den
"DüSSELDORF COLOGNE OPEN GALLERIES 2019":
Freitag, 6. September von 18.00 bis 22.00 Uhr
Samstag, 7. September von 12.00 bis 20.00 Uhr
Sonntag, 8. September von 12.00 bis 18.00 Uhr



Georg Baselitz, "Veteran"

Georg Baselitz

(geb. 1938 in Deutschbaselitz)

"Veteran"

Linolschnitt 2002

228 x 170 cm, Abb. 201,7 x 148,5 cm

sign. dat. bez.

Auflage ca. 6 Exemplare

[24647]


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 98 Seiten und 100 meist farbigen Abbildungen.
Für den Betrag von Euro 10 senden wir Ihnen den Katalog im Inland gerne zu.
Der Katalog ist ebenfalls in der Galerie Boisserée erhältlich.


Außerdem haben Sie hier auch die Möglichkeit den Katalog als PDF virtuell durchzublättern.

Georg Baselitz, "Maler im Mantel (Remix)"

Georg Baselitz

(geb. 1938 in Deutschbaselitz)

"Maler im Mantel (Remix)"

Farbvariante in Gelb und Rosa

Holzschnitt auf verschiedenfarbig grundiertem Japanpapier 2008

123,7 x 69,5 cm, Abb. 99,5 x 50 cm

sign. dat. bez.

Auflage ca. 20 Exemplare

[24822]


Pressetext zur Ausstellung



Text aus dem Ausstellungskatalog
GEORG BASELITZ (geb. 1938 in Deutschbaselitz)
"Veteran" – Arbeiten auf Papier:

Experimente – gewagt, gelenkt, inspiriert - Zur Graphik von Georg Baselitz

Als 1958 eine große Ausstellung neuer amerikanischer Malerei in Berlin gezeigt wurde, hatte dieses Ereignis weitreichende Folgen, eine betraf Georg Baselitz. Dieser hielt am 8. Oktober 2007 eine Rede in der Royal Academy London, in der er auf den Eindruck von 1958 zurückkam: "Ich merkte schlagartig, dass Deutschland nach dem verlorenen Krieg zur Provinz geworden war und noch dazu ein Trümmerhaufen. . . Woraus ich nicht entfliehen konnte, war Deutschland und Deutscher zu sein, es haftet einem unangenehm an." Als die Mauer zwischen dem geteilten Land 1989 fiel, stellte sich die Frage nach deutscher Herkunft, Eigenart, Tradition und was damit zusammenhing von neuem. Deshalb begann Baselitz allerdings keine Laufbahn als Historienmaler, sondern integrierte subtile, eher untergründige Hinweise auf die Geschichte in sein Werk. Es sind Gemälde-Zyklus "45", der 1989 kurz vor dem Fall der Mauer entstanden ist, gefolgt von den dreizehn Holzbildwerken "Dresdner Frauen", die 1989/1990 entstanden sind. Beide Hauptwerke jener Umbruchzeit haben ihre Reflexe auch in der Graphik hinterlassen. Für jeden Monat des Jahres "45" entstand ein hochformatiger Holzschnitt, den Büsten der "Dresdner Frauen" fügte Baselitz eine Reihe von ruppigen Holzschnitten hinzu.
Wenn Bilder, Skulpturen und Graphik verglichen werden, ist zu sehen, dass die Blätter auf keinen Fall in die Tradition der Reproduktionsgraphik gehören, sondern in die Kategorie, die Adam von Bartsch, der Begründer einer systematischen Erfassung und Erforschung der Künstlerdrucke etabliert hat, nämlich "peintres-graveurs", Maler-Radierer. Dieser Begriff lässt sich natürlich auch auf Holzschnitte oder Lithographien übertragen, wenn die Blätter eigenständige Erfindungen zeigen.
Baselitz hat sich seit Beginn seiner graphischen Arbeiten gegen Mitte der sechziger Jahre stets in der Tradition der "peintre-graveurs" gesehen. Zu dieser Spezies von Künstlern gehört ganz wesentlich das Experimentieren mit Techniken, Druckvorgängen, Papieren etc. So haben es Rembrandt und Goya praktiziert und im 20. Jahrhundert Picasso und Matisse, auch Jean Fautrier und in Deutschland vor allem Ernst Ludwig Kirchner. Wenn es um die Radierung geht, werden Zustandsdrucke den Prozess der Entstehung verfolgen lassen. Wenn es um den Holzschnitt geht, kann mit Tonplatten oder mit eingefärbtem Papier operiert werden oder mehrere Platten können geschnitten und übereinander gedruckt werden. Bei Baselitz ist jede Variation zu beobachten. Als 1989/90 die "Dresdner Frauen" geschnitten wurden, kümmerte sich der Künstler wenig um die traditionelle Art, im Holzstock zu arbeiten. Die weißen Linien sehen aus, als ob sie aus der Holzplatte herausgerissen worden wären. Deshalb entstand eine Nähe zu den Oberflächen der Holzskulpturen gleicher Thematik, weil diese zerklüftete, verletzte Oberflächen aufweisen. Baselitz scheute keine Hässlichkeiten, keine Wunden, keine schmerzhaften Einschnitte in die Köpfe und ihren Hintergrund. Es kommt durch diese Behandlung etwas zum Vorschein von der Not, dem Leiden, der Frohnarbeit der "Dresdner Frauen", die sich nach der grausamen Bombardierung dieses historischen Stadt-Juwels an die Aufräumarbeiten machten.
Eine erinnernde Rückkehr an die Heimat bildete auch den Anstoß für die Serie der Graphiken zum Thema "45". Natürlich ist das Ende des Krieges gemeint, das Hans-Georg Kern, wie er damals noch hieß, als siebenjähriger Knabe erlebte. Es war eine durch und durch schwierige Zeit, die ein unbeschwertes Kinderdasein unmöglich machte. Aber Baselitz hat sich nicht an sein Kindsein erinnert, sondern Frauen, manchmal Mann und Frau im Gitter aus feinen Linien oder zwischen weißen Flecken eingefangen. Dadurch werden die Gesichter verunklärt, sie erhalten etwas Geisterhaftes, Unwirkliches. Eine mögliche Lesart dieser hochformatigen Anordnungen könnte lauten: Die Netze aus Gittern und Punkten lichten sich mehr oder weniger und geben den Blick frei auf die Menschen, die am Netz arbeiten, leiden oder in ihm verschwinden. Wie in den Holzskulpturen errichtet Baselitz ein posthumes, profanes Denkmal für "45".
Auf anderem Weg kehrte das Thema Deutschland 1999 in das Werk von Baselitz zurück. Im April dieses Jahres wurde das Reichstagsgebäude in Berlin als Bundestagsdomizil eröffnet. Um den Stand der zeitgenössischen Kunst in Deutschland vorzuführen, wurden 19 Künstlern eingeladen, einen Beitrag zur Ausstattung beizusteuern. Unter diesen befand sich Baselitz, der zwei große Leinwände schuf. Er griff auf Motive von Caspar David Friedrich zurück, die dieser entworfen hatte: "Frau am Abgrund", "Melancholie" und "Schlafender Knabe", von dessen Bruder Christian in Holz geschnitten. Baselitz benutzte als Vorlage ein Büchlein über C. D. Friedrich vom Verlag Kanter-Bücher in Königsberg, und zwar die Feldpostausgabe von 1940, bestimmt für die Soldaten im Krieg. Wie in den Gemälden wählte Baselitz eine leichte Machart, bestehend aus zarten schwarzen Strichen, begleitet von roten Rosen in der Art der Volkskunstmotive, die er vorher entdeckt hatte. Bei diesen spielte die Erinnerung an seine Kindheit in Deutsch-Baselitz eine Rolle, das in der Nachbarschaft von Wendisch-Baselitz am östlichen Rand Sachsens liegt. Hier hatten die Sorben, zu Deutsch Wenden, ihre Siedlung. Als Baselitz die Motive von C. D. Friedrich wählte, bezog er sich nicht auf die berühmten Gemälde, sondern auf die allegorischen Motive der Holzschnitte. In ihnen gestaltete Friedrich Bilder der Schwermut und Gefährdung. Indem Baselitz diese auswählte, fügte er dem Ensemble der Werke im Reichstag eine Atmosphäre hinzu, die in hellen Farben gehalten, eine Perspektive auf Drittes Reich, deutsche Romantik und den damaligen frühen Patriotismus ermöglicht.
Die deutsche Geschichte ließ Baselitz auch in den folgenden Jahren nicht los, auch wenn dieses niemals sein einziges Thema war und er, wie er selbst sagte, kein Historienmaler ist, wie dies einige DDR-Maler zu sein versucht haben – allerdings mit zweifelhaften Ergebnissen. Als Baselitz 1990 begann, Paraphrasen seiner "Helden"-Motive von 1965/66 in seine neuen Arbeiten einzublenden, begann eine Erinnerungsarbeit, die er Jahre später mit seinen Remix-Bildern fortsetzte. Weil der Druck und die Last der frühen "Helden"-Motive von ihm gewichen war, konnte Baselitz jetzt mit großer Freiheit die Motive neu durchdenken und formulieren. Als Ergebnisse aus Selbszitat, Weiterdenken, Ergänzen und ähnlichen Operationen entstanden die großen Farbholzschnitte von 1991/92 mit Titeln wie "Vier Steine", "Sechs Steine", "Sieben Steine" oder "Acht Steine". Ähnlich wie in "45" wird ein motivischer Kern variiert und mit schwarzen Steinen teilweise verdeckt. Die "Helden"-Figuren sind im grünen Fond noch erkennbar. Auch durch die "Steine" hindurch lassen sich noch Details ihrer Körper erahnen. Während die Helden von 1965/66 in einem stockenden, wie gequält wirkenden Farbduktus gemalt sind, werden die "Helden" in den Gemälden seit 1990 wie in der Graphik durch die Verwendung von Weiß, Grün und Schwarz von zu starken Emotionen befreit. Flecken oder Steine sind über die gesamte Bildfläche verteilt, so dass eine Spannung entsteht zwischen den untergründigen Figuren und den schwarzen oder weißen Flecken. Diese wird verstärkt, weil die Figuren mit leichter Hand und schnell ins Holz geschnitten sind und die dominanten Flecken oder Steine die Fläche unterschiedlich rhythmisieren, schwebend, ohne aber die Schwere, welche die Farbe Schwarz auch suggerieren könnte. Es entsteht ein Eindruck, als ob diese Oberflächenelemente aus dem Bildgrund aufsteigen und das, was die ursprünglichen "Helden"-Motive so schmerzvoll und tragisch aussehen ließen, entweichen lassen - noch sichtbar, aber nicht mehr bedrohlich.
Nach dem Wiederauftauchen der Figuren von 1965/66 seit dem Beginn der neunziger Jahre tat Baselitz 2005 einen überraschenden, für manche Beobachter unverständlichen Schritt, als er seine Remix-Bilder-Serie begann. Sein neues Verfahren nannte er Remix mit einem Begriff aus der populären Musikkultur, er meinte das Erneuern oder Variieren vorhandener Musiktitel. Mit dieser Methode konnte Baselitz sein eigenes Werk von neuem durcharbeiten, prüfen und virtuos neu gestalten. Den Niederschlag dieser Arbeit findet man auch in der Graphik, wo es eine stattliche Anzahl von Holzschnitten gibt, die das Remix-Verfahren verwenden. Obwohl die Holzschnitt-Linien mit Kraft und einer gewissen Ruppigkeit ausgeführt sind, besitzen die Blätter eine gewisse graphische Delikatesse, weil Baselitz das benutzte Japanpapier verschieden eingefärbt hat. Nicht nur dieses Beispiel beweist den erfindungsreichen Graphiker, sondern auch andere Variationen eines Motivs, das einen graphischen Prozess durchläuft. Durch die meisten Werkphasen der Baselitz-Graphik lässt sich dieses Prozesshafte verfolgen, genuine Arbeitsbasis eines "peintre-graveur". Aus dem Jahre 2017 stammte z. B. eine Serie von "Elke"-Farbradierungen. Baselitz' Ehefrau wird im Profil gezeigt, eine Hand gedankenvoll ans Kinn geführt. Im gleichen Jahr 2017 entstanden drei kleinere Gemälde mit dem Kopf von Elke, Hand am Kinn. Die Graphiken behalten das Motiv bei, aber kommen zu sehr unterschiedlichen Interpretationen des Elke-Bildnisses. Seine Frau hat Baselitz während seines Schaffens immer wieder dargestellt. Die Bedeutung von Elke für Leben und Werk des Künstlers ist nicht hoch genug einzuschätzen. In der Graphik von 2017 wirkt Elke nachdenklich, stolz, selbstbewusst, prüfend. Ihr Bildnis wird nach vielen Richtungen ausgelotet. Deshalb verbinden sich graphischer Prozess und Bildniskunst auf eine fruchtbare Weise. Indem Baselitz diesen Blick auf seine Frau festhält, kann er einfangen, wie sie anscheinend eine Bilanz ihres Lebens zieht, im Nachsinnen und durch ein In-sich-Hineinhören. Weil nichts beschönigt, geglättet, verklärt oder manipuliert erscheint, ist ein berührendes Bildnis einer Dame entstanden, in deren Gesichtszügen ein ereignisreiches Leben Spuren hinterlassen hat. Baselitz hat in seinen Bildnissen ihren natürlichen Adel erfasst und verewigt.
Prof. Dr. Siegfried Gohr, Köln Juli 2019


Georg Baselitz, "Gartenlaube"

Georg Baselitz

(geb. 1938 in Deutschbaselitz)

"Gartenlaube"

Kaltnadel und Aquatinta auf farbiger Tonplatte 2016/17

120,5 x 80,5 cm, Pr. 99,5 x 66,3 cm

sign. num. dat.

Auflage ca. 15 Exemplare

[24472][24219][24473]

Georg Baselitz, "Elke IV"

Georg Baselitz

(geb. 1938 in Deutschbaselitz)

"Elke IV"

Strichätzung und Aquatinta auf farbiger Tonplatte 2017

85,3 x 65,1 cm, Pr. 65,8 x 48,6 cm

sign. num. dat.

Auflage 16 Exemplare

[24344][24345]


Sie können sich alle Exponate der Ausstellung hier ansehen.


Parallel zeigen wir im Studio der Galerie:



""Ich möchte eine Kunstform des Unproportionalen, des Umkonstruierten, des Unbestimmten einführen. Eine Disziplin, in der mit unterschiedlichen Parametern das Unvorhersehbare, das Unerwartete entsteht."
Bernar Venet


Anlässlich der "DüSSELDORF COLOGNE OPEN GALLERIES 2019"
(06.–08.09.2019)


06.09.–26.10.2019 (im Studio)

BERNAR VENET

(geb. 1941 Château-Arnoux)

"Random Combination of Indeterminate Lines"

Graphik & Skulptur


Bernar Venet, "85.5 ARC x 23"

Bernar Venet

(geb. 1941 Château-Arnoux)

"85.5 ARC x 23"

gewalzter Stahl 2012

44 x 34 cm x 46 cm

sign. num. bet.

Auflage 8 Exemplare

[24784]

Zur Eröffnung am Freitag, den 6. September 2019 in der Zeit zwischen 18.00 und 22.00 Uhr
laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.


Bitte beachten Sie unsere besonderen Öffnungszeiten zu den
"DüSSELDORF COLOGNE OPEN GALLERIES 2019":
Freitag, 6. September von 18.00 bis 22.00 Uhr
Samstag, 7. September von 12.00 bis 20.00 Uhr
Sonntag, 8. September von 12.00 bis 18.00 Uhr


Bernar Venet, "Random Combination of Indeterminate Lines"

Bernar Venet, "Random Combination of Indeterminate Lines"

Bernar Venet, "Random Combination of Indeterminate Lines"

Bernar Venet, "Random Combination of Indeterminate Lines"

Bernar Venet, "Random Combination of Indeterminate Lines"

Bernar Venet, "Random Combination of Indeterminate Lines"

Bernar Venet

(geb. 1941 Château-Arnoux)

"Random Combination of Indeterminate Lines"

Mappenwerk mit 6 Farbradierungen 2018/19

68,5 x 91 cm, Pr. 46 x 70 cm

sign. num. bet.

Auflage 65 Exemplare

[24785][24786]


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 28 Seiten und 25 farbigen Abbildungen.
Für den Betrag von Euro 5 senden wir Ihnen den Katalog im Inland gerne zu.
Der Katalog ist ebenfalls in der Galerie Boisserée erhältlich.


Außerdem haben Sie hier auch die Möglichkeit den Katalog als PDF virtuell durchzublättern.

Bernar Venet, "Lignes droites / Désordre"

Bernar Venet, "Lignes droites / Désordre"

Bernar Venet, "Lignes droites / Désordre"

Bernar Venet, "Lignes droites / Désordre"

Bernar Venet, "Lignes droites / Désordre"

Bernar Venet, "Lignes droites / Désordre"

Bernar Venet, "Lignes droites / Désordre"

Bernar Venet

(geb. 1941 Château-Arnoux)

"Lignes droites / Désordre"

(Gerade Linien / Chaos)

6 druckgraphische Arbeiten in schwarz patinierter Stahlbox mit Skulptur 2011

15 x 75 cm x 85 cm

sign. num. bet.

Auflage 40 (72) Exemplare

[24850]


Pressetext zur Ausstellung



Text aus dem Ausstellungskatalog
BERNAR VENET (geb. 1941 Château-Arnoux)
"Random Combination of Indeterminate Lines"
Graphik & Skulptur

RANDOM COMBINATION OF INDETERMINATE LINES
To be or Not to be
- Experimental?
- Exploratory?
- Investigational?
- Trial?
- Test?
- Pilot?
- Speculative?
- Preliminary?
- Innovative?
- Creative?
- Radical?
- Avant-garde?
- Unconventional?
Bernar Venet, Gedicht des Mappenwerks "Random Combination of Indeterminate Lines", 2018/19

In der Verbindung von Geometrie und künstlerischer Individualität beginnt der Dialog – ein Kraftakt zwischen der Härte des Materials und dem Formwillen des Künstlers.
Die Galerie Boisserée widmet sich in einer Studioausstellung einem der bedeutendsten Künstler des 20./21. Jahrhunderts. Bernar Venet, 1941 in Château-Arnoux, Frankreich geboren, hat es geschafft, eine völlig eigenständige Formensprache zu entwickeln, und gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer der Gegenwart. Durch seine unverwechselbaren Stahlskulpturen ist er weltweit präsent. In Deutschland wurde er 1987 durch den vom französischen Staat anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins geschenkten 20m hohen schwarzen Metallbogen "ARC 124,5" bekannt.
Bevor Venet mit den freistehenden monumentalen Stahlskulpturen beginnt, nutzt er verschiedenste Materialien, Techniken und Medien. Er malt mit Teer auf Leinwand, mit schwarzem Lack auf Zeitungspapiercollagen, verschraubt dicke Wellpappe zu Reliefs, denen er einen einfarbigen Lackanstrich gibt, häuft Kohle zu Materialassemblagen, fotografiert, filmt, entwirft Bühnenbilder und experimentiert mit Geräuschaufnahmen und lotet so die unterschiedlichen künstlerischen Bereiche aus. 2012 verwandelt er einen exklusiven Bugatti Sportwagen in ein Kunstobjekt. Er lässt die Karosserie in den Farben von Cortenstahl mit Formeln zur Errechnung der Leistungskraft des Motors lackieren und überträgt sie auf den Innenraum des Fahrzeugs.
"Künstler sein heißt zu suchen,
auf die Gefahr hin, dass man sich verläuft . . .
Allein auf dem falschen Weg zu sein,
ist besser als mit den anderen zu gehen." (1)

1959/60 arbeitet Bernar Venet als Bühnenbildner an der Oper von Nizza und nimmt bereits 1964, 1965 und 1967 an den Ausstellungen des Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris teil. Mit Unterstützung von Arman lässt er sich 1966 in New York nieder und lernt Pioniere der amerikanischen Kunst wie Dan Flavin, Donald Judd, Robert Motherwell, Sol LeWitt, Ad Reinhardt, Mark Rothko und Richard Serra kennen und schätzen und freundet sich mit ihnen an.
1968 nimmt er an der legendären Avantgarde-Messe "Prospect 68" in Düsseldorf teil. 1971 kehrt er nach Paris zurück und entscheidet sich, auf der Suche nach dem Wesentlichen der Kunst, keine Kunst mehr zu "produzieren". Für Venet ist Kunst kein ästhetisches Vergnügen. Kunst soll nicht die Realität verschleiern. Kunst soll ausschließlich der Erkenntnis dienen. In logischer Konsequenz setzt er sein künstlerisches Schaffen aus und widmet sich der Analyse und der Vermittlung von Kunst. Er beschäftigt sich mit Mathematik und Physik, lehrt von 1974-75 Kunsttheorie an der Sorbonne Université und hält Vorlesungen und Vorträge in Europa.
1976 kehrt er nach New York zurück und beginnt wieder, künstlerisch zu arbeiten. Er beschäftigt sich – zunächst in seinen Bildern – mit elementaren geometrischen Figuren wie Geraden ("Lines"), Winkel ("Angles") und Bögen ("Arcs"), um das Thema schließlich auch in die Dreidimensionalität zu übertragen und seine ersten Stahlskulpturen zu entwickeln.
1989 kauft er eine alte Fabrik und Wassermühle in Le Muy, Südfrankreich. Heute ist dieser Ort Sitz der Venet Foundation. Wo früher Weichen für Schienen hergestellt wurden, lagert der Künstler seine Arbeiten. Werke seiner Sammlung, die er mit befreundeten Künstlern seit den 1960er Jahren getauscht hat, stellt er im Museum und im weitläufigen Park aus, der das Areal umgibt, – die Kapelle von Frank Stella, Bilder von On Kawara, Lichtarbeiten von Dan Flavin, Arbeiten von Yves Klein u.a.m.
Jacques Chirac, damaliger Oberbürgermeister von Paris, lädt ihn 1994 ein, zwölf monumentale Stahlskulpturen zu schaffen, um sie auf den Champs de Mars auszustellen. Es folgen Aufträge weltweit. 2001 wird in Château-Arnoux, seinem Geburtsort, die Kapelle Saint-Jean eröffnet, deren Glasfenster und Ausstattung von Venet entworfen wurden.
Die internationale Anerkennung bleibt nicht aus. In aller Welt werden Venet große Ausstellungen gewidmet. Zahlreiche Ehrungen und Ausstellungen werden ihm zuteil. Seine Werke sind in den bedeutendsten Museen, öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten und stehen auf zentralen Plätzen weltweit. Venet arbeitet in Frankreich und New York. Seine Impulse und schöpferische Unruhe erhält Venet aus diesen Ortswechseln mit ihren Kontrasten. In New York bringt er seine Ideen zu Papier und erarbeitet kleine Modelle, die er dann zunächst in Frankreich, später dann in Ungarn, in harter körperlicher Arbeit ausführt.
"Ganz sicher stehe ich in der Tradition der abstrakten Kunst,
genauer der konkreten Kunst, einer Kunstform,
die sich jeglicher Unterordnung gegenüber dem Natürlichen,
dem Unwesentlichen, dem Ähnlichen, dem Transzendenten verweigert,
um ein Kunstwerk zu seiner Eigenständigkeit und Besonderheit zu verhelfen." (2)

Seit seinen Anfängen, den frühen 1960er Jahren, gründet sein gesamtes Schaffen auf dem Grundsatz der Immanenz, seinem Interesse an Physik und Mathematik und seinen kunsttheoretischen Auseinandersetzungen. Immanenz bezeichnet das in den Dingen Enthaltene, das sich aus ihrer individuellen und objektiven Existenz ergibt. Venet interessiert genau dieses, die dem Gegenstand innewohne Eigenschaft, die nicht durch Interpretation hergeleitet worden ist. An mathematischen Formeln und Symbolen fasziniert ihn, dass sie e i n e Bedeutung haben. Seine Kreisbögen ("Arcs") verdeutlichen das sehr konsequent. Der Werktitel gibt in minimalistischer Weise darüber Auskunft, wieviel Grad der Ausschnitt dem vollen Kreis des Bogens entspricht.
Die Linie bestimmt als Thema sein künstlerisches Schaffen. Sie ist in seinen Stahlskulpturen der Gegenstand, mit dem er sich mit den Phänomenen Zeit, Raum und Bewegung auseinandersetzt. Über die streng geometrischen Geraden, Winkel und Bögen gelangt er zur Beschäftigung mit der freien Linie, die nicht mathematisch bestimmt ist. Er nennt sie "ligné indéterminée", unbestimmte Linie. Es entstehen nun unregelmäßige Spiralformen und stählerne Linienknäuel – ein Kraftakt zwischen der Härte des Materials und dem Formwillen des Künstlers. Für Venet verkörpern sie die "Energie atomischer Masse".
In der Erkenntnis, dass es keine ideale Anordnung gibt, lässt er den Zufall "spielen". Dabei geht es im Wesentlichen darum, den Faktor der Unbestimmtheit als Arbeitshypothese einzuführen. Gegensätzliches, System und Zufall werden in einem Gestaltungsprozess vereint. "Die Bestimmtheit der geraden Linie und das Unbestimmte des Zufalls konnten koexistieren. Ich nenne diese Arbeiten 'Accidents' (Un- oder Zufälle), und ich halte sie für mit das Wichtigste in meiner Arbeit. Denn es ist eine sehr radikale Geste. Zuerst lächelt man vielleicht darüber, aber dann eröffnet sich ein theoretischer Horizont, der einen tieferen Zusammenhang sichtbar macht. Ich hätte die 'Accidents' auch 'Catastrophes' nennen können. Beides ist miteinander eng verbunden. Und sie treffen sich mit aktuellen mathematischen Konzepten. Die großen Mathematiker heute sprechen von Zufällen und Katastrophen, siehe auch die Chaos-Theorie. Diese neuen Konzepte lassen aleatorische, also vom Zufall abhängige, Elemente, Unvorhersehbares und Komplexes innerhalb der Mathematik zu. Es ist eine Art Störung, die Begegnung eines wohlgeordneten Elements mit einem unerwarteten Ereignis, und alles zusammen schafft etwas Nicht-zuvor-Bestimmbares. Diese mathematische Definition trifft erstaunlicherweise exakt auf meine Arbeit zu. Es ist schon merkwürdig festzustellen, dass schon meine frühesten Arbeiten auf mathematischen Erkenntnissen basierten und dass ich heute auch wieder darauf zurückkomme – obwohl ich auf einem scheinbar völlig entgegengesetzten Gebiet arbeite." (3)
Venet fotografiert seine Skulpturen von mehreren Seiten. Nach dem Fotografieren entstehen die großformatigen Zeichnungen. Sie dienen nicht als Entwurf, sondern zeigen die Skulpturen als das Entstandene. Die Zeichnung veranschaulicht, was das Auge nur sukzessive im Umschreiten des plastischen Werks wahrnimmt, nämlich eine ungeheure Formenvielfalt. Für Venet sind die Zeichnungen wie sein graphisches Œuvre niemals Illustrationen seines plastischen Werks. "Das sind kleine Landschaften, die ich sehe und jetzt zeichne, sie helfen mir, das Werk zu reflektieren."
Bei dem der Ausstellung den Namen gebenden Mappenwerk "Random Combination of Indeterminate Lines" handelt es sich um Bernar Venets jüngste druckgraphische Arbeit. Es enthält sechs Farbradierungen und Venets handschriftliches Gedicht "To be or Not to be". Alle einliegenden Arbeiten sind vom Künstler signiert und betitelt.
Bernar Venets herausragende Stellung innerhalb der zeitgenössischen Kunst beruht auf seinem sehr vielseitigen Werk, das er konsequent weiterentwickelt.
"Das Wort 'Utopie' wird nur von jenen in den Mund genommen,
denen es an Phantasie, Überzeugung, Willensstärke und Energie fehlt." (4)

Mona Fossen, Köln Juli 2019

1 Bernar Venet, Retrospektive 1963 – 1993, Ausstellungskatalog Musée d'Art Moderne et d'Art Contemporain Nice, 25. Juni – 12. September 1993, Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen am Rhein, 25. September – 7. November 1993, S. 51
2 Bernar Venet, System und Zufall, Order and Chance, Ausstellungskatalog der Stiftung Kunst und Kultur e.V. Bonn anlässlich der Ausstellung Bernar Venet, System und Zufalle im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, 9. September - 28. Oktober 2007, Wienand Verlag, Köln 2007, S. 61
3 Kunst begegnet der Mathematik, Ein Gespräch von Amine Haase, Kunstforum, Band 136, 1997, Gespräche mit Künstlern, S. 310 ff
4 Bernar Venet, System und Zufall, Order and Chance, Ausstellungskatalog der Stiftung Kunst und Kultur e.V. Bonn anlässlich der Ausstellung Bernar Venet, System und Zufalle im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, 9. September - 28. Oktober 2007, Wienand Verlag, Köln 2007, S. 67


Bernar Venet, "224,5 ARC X 5"

Bernar Venet

(geb. 1941 Château-Arnoux)

"224,5 ARC X 5"

Aluminium, schwarz lackiert 2002

13 x 57 cm x 54 cm

sign. num. bet.

Auflage 25 Exemplare

[23990]


Sie können sich alle Exponate der Ausstellung hier ansehen.




Zukünftige Ausstellungen

15.11.–17.11.2019

Teilnahme
ART DüSSELDORF 2019

Areal Böhler, Hansaallee 321, Düsseldorf

Stand F13

Franziskus Wendels, "Transfer 4"

Franziskus Wendels

(geb. 1960 Daun/Eifel)

"Transfer 4"

Mischtechnik auf Leinwand 2018

150 x 150 cm

sign. dat. bet.

[24514]

Julian Opie, "Walking in the rain Seoul 2015"

Julian Opie

(geb. 1958 in London)

"Walking in the rain, Seoul" from "Walking in the rain"

Farbsiebdruck in Künstlerrahmen 2015

150 219,5 cm, Abb. 132,2 x 199,3 cm

sign. num. dat. bet.

Auflage 50 Exemplare

[24884]



21.11.–24.11.2019

Teilnahme
COLOGNE FINE ART & DESIGN 2019

koelnmesse

Robert Indiana, "HOPE"

Robert Indiana

(New Castle 1928 - 2018 Vinalhaven)

"HOPE"

Farbig lackiertes Aluminium in Blau & Rot 2009

91,5 x 91,5 x 46 cm

sign. num. dat. bez.

Auflage 8 Exemplare

[24589]

Robert Indiana, "Love Wall" (Love Frieze), Sheehan 40

Robert Indiana

(New Castle 1928 - 2018 Vinalhaven)

"Love Wall" (Love Frieze)

Folge von 4 Farbsiebdrucken 1967

je 64,8 x 49,8 cm, Abb. 49,8 x 49,8 cm

sign. num. dat.

Auflage 90 Exemplare

Sheehan 40

[24735]

Vergangene Ausstellungen

2019 2018 2017 2016 2015
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